Fasnetlieder

Im Dezember 2011 hat die Freie Narrenzunft Wolfach die CD "Wolfacher Fasnet - ´s goht degege" veröffentlicht. Auf dieser CD sind die schönen Wolfacher Fasnetlieder aus dem "grünen Büchle" mit Gesang vertont worden, da diese doch etwas in Vergessenheit geraten sind.

  • Der Michelesmarsch
  • Der Hans!
  • Der Wolfacher Durscht
  • Narrenlied
  • Wolfacher Gemüetlichkeit
  • s Bettelmaale
  • Das Kaffeetantenlied

Der Michelesmarsch

1. Schmutziger Dunnschtig
Heißa, hopsa! Hansel, jetz wach endlig uf!
De Narrodag schient hell zum Fenschter ri!
Rieb der endlig d'Auge n'us un guck nit lang. zum Fenschter nus,
denn d'Elfemeß kunnt gIi!

Härsch nit, wie es trommlet lut:
Elfemeß bim Bahnhofjud!
Bum, bum, bum, bum,
Elfemeß bim Jud!
Elfemeß bim Bäuerle!
Elfemeß bim Bennemi!
Bum, bum, bum, bum,
Gell, do bisch debi!

Kinder hopse, Schelle klinge. Hansel, wit nit weidle mit?
Rechte Hansel müeße schpringe, fescht im Hanseischritt.
Alde Narre were junge, wenn mer so e Musik härt!
Alde Lire were gsunge, alles isch verkehrt!

2. Schellenmentig
Heißa, hopsa! Was isch des e Lärm hit morge,
daß mer trotz em Rusch nit schlofe ka!
Wißi Gaischter komme jo durch d'Vorschdedt zoge,
hen e Bett, un drinne leit e Ma!

Schtallaterne lüchde schee,
Daß mer ka die Bettschdatt seh',
Bum, bum, bum, bum,'
Der Schläfer got in d'Heeh:
Ihr Narre, hört, vernehmt un wißt:
De Narrodag erschtande ischt!
Bum, bum, bum, bum,
Drum de Wohlauf isch!

Hörner blose, Rätsche knarre, Hansel, schlofsch do immer no?
Hit verwache alle Narre, denn ihr Dag isch do!
Buebe, Maidle, Alte, Junge! Wohlaufmusik! Heidekrach!
Wer eso im Hemm rumgschprunge, der isch sicher wach!

3. Fasnetzieschdig
Heißa, hopsa! Hansel schwing di Bei' zuem Danz,
daß alle Schelle klinge luschdig mit!
Sing un juchz vor luter Narredei,
wils so e Narrodag halt nu in Wolfe git.

Elfemeß un Nasezug,
Do kriegsch halt au gar nit gnug!
Bum, bum, bum, bum, Kriegseh halt gar nit gnug!
Fasnetbretschle, Wienerle, Landsknecht im Zigienerle.
Bum, bum, bum, bum, Wer wot au no meh!

Kaffeedante un Schnurrante, mache Gaude schier um d'Wett.
Alles isch e luschdge Bande, un ihr Lewe net.
Hansel, hops, daß d'Schelle klinge,
sing fidel un freu di noch!
Äschermittwoch wurd beginne, no hot d'Freud e Loch!

(Josef Krausbeck 1934/1948)


Der Hans!

Hans! Hans! Hans hot e schens Käpple uf, Käpple uf,
Mit eme schöne Boge druf, Boge druf.
I 'du mei, a du mei, du solisch mei Hansel sei.
I du mei Hans, i dumei Hans, Ei du mei Hans!
Hans hot e schens Lärvle a,
Daß mer en nit kenne, ka.
Hans hot e schens Rüschle a,
Daß ers vertriele ka.
Hans hot e schens Krägle a,
Mit schöne .Zäckie dra.
Hans hot e schens Kittele a,
Miteme Wohlaufma.
Hans bot e schens Hösle a,
Mit schöne Schelle dra.
Hans bot schene Schühle a,
Daß er gut hopse ka.
Hans bisch e guete Ma,
Uni möcht Dich nu ha.

(Nach einem alten Lied von verschiedenen Wolfachern um- und zugedichtet)


Der Wolfacher Durscht

Das war der Herr von Wolvaland, Graf Konrad hieß der Held,
Der hatte einen Höllenbrand, doch leider wenig Geld.
Beim Sonnenwirt war's Stammlokal, dort saß er Tag und Nacht,
Und hat gar manches Zechgelag auf guten Pump gemacht.
Ja 'der Durscht, ja der Durscht, ja der Wolfacher Durseht,
War die Leidenschaft des Grafen, alles andere war ihm Wurscht.

Vom Wolfenberg bis Langenbach war all' sein Eigentum, -
Der schöne Schmelzewald war sein und sonst noch viel drum rum.
Doch freute ihn kein grüner Wald, kein Jagen auf der Au,
Das schönste Mädchen ließ ihn kalt, er liebte keine Frau.
Bloß der Durscht, ja der Durscht, ja der Wolfacher Durseht,
War die Leidenschaft des Grafen, alles andere war ihm Wurscht.

Der alte Kaiser Heinerich war mütterlicherseits
Des Grafen Konrad Vetterich und Gläubiger bereits.
Er hat 'ne Hypotheke auf dem alten großen Schloß,
Jedoch des Grafen Lebenslauf den Kaiser sehr verdroß.
Denn der Durscht, ja der Durscht, ja der Wolfacher Durscht,
War die Leidenschaft des Grafen, - alles andere war ihm Wurscht.

Doch eines schönen Tages war zu Ende all die Not,
S'war grad um Ascherrnittwoch rum, da war -Graf Konrad tot.
Doch an die Stadt hat er gedacht bis an sein Lebensend,
Und als die Teilung ward gemacht, da stand im Testament:
Meinen Durscht, meinen Durscht, meinen Wolfacher Durscht,
Erben meine Landeskinder, alles and're ist mir Wurscht.

Umgedichtet 1924 von Albert Sandfuchs senior nach dem ‚Brusler Durscht"
(Melodie nach dem 'KreuzfideIen Kupferschmied")
Ein Graf Konrad von Wolva lebte zwar nie, dennoch aber lebt er hierdurch


Narrenlied

Heißa! Losse d'Schelle klingle!
Narre! Jetz isch Eure Zitt!
Losse Eure Beiner schpringe,
Losse s'Herz au hopse mit!

Sorg un Leid, mer wenns vergesse!
Lache wemmer, luschdig si!
Wer kann unsere Freid au messe!
Die bringsch in kei Maß jo ni!

Juchze wemmer, fröhlich singe,
Fasnet-Lieder, alde Schprüch.
Würseht un Bretschle soll mer bringe,
Jeder nimmt die gröscht für sich!

Un zuem Danze wemmer führe
Alle schöne Maidle hit.
Jeder soll im Herz jo schpüre,
Daß es hit nu Freide git.

Setze Euch nu neue Schparre
Jetz ins Hirn, daß es Euch juckt!
Denn wer nit ghert zu de Narre,
Der isch doch s'ganz Johr verruckt!

Josef Krausbeck 1948
Melodie: Ufern Wase grase d Hase.


Wolfacher Gemüetlichkeit

Jetz wemmer emol singe e Wolfacher Lied.
Heididelheidjdeldum.
Wie alles isch z'Wolfe voll Gsang un voll Gemüet,
Heidicielheidideldum.
Voll Freid un voll Luscht un wie alles grad lacht,
Wie 's goht bi uns in ere feschtliche Nacht.
Heididel hahaha

Guck nu mol wie d'Wolf zärtlig d'Kinzig verschmutzt*,
Un wie sich bot 's Schduckhüsle 's llotznäsle butzt.
De Käpflefels lächelt ein schbitzbüebisch zu
Un seit no: Wie gfäflsch mer, du Lusmaidle du!

De Bruggewoogdiech singt ein Mühlediech z'wett,
Des git mit ein Gießediech grad e Terzett.
De Rießner un Schdadtbrunne falle no. i,
Wo kennt euch e scheneres Liedle au si?

Es pfieft us ein Schdadtwald un giegt vun de Gumm,
Wie Flöt un Klanet un wie Drehorgeibrumm.
Un d'Schdadtbrugg, die rumpelt als Baß wie e Schdier,
Doch de Gasseschdeg schbielt voller Freid si Klavier.

De Kirchdurm un s'Rothus, die gewe sich d'Hand
Un wotte am liebschde grad danze mitnand.
Doch sin si scho z'gschdärk un au z'ald scho dezu.
Drum lache se halt mit ein Zifferblatt nu.

De Schloßdurm, de ald, meint: I hilf au zur Freid,
Daß niemert von drusse euch Ärger nitreit!
Schließt 's Dor zu un schdupft's Bettelmale, des krumm.
Do draiht des nach usse si Hinderdeil rum.

Ihr Little, jetz sage, obs Herz do nit lacht,
Wie alles so einig in Wolfe mitmacht?
Drum singe un juchze au mir jetz mitnand,
Denn e Schdädtle wie Wolfe gits keins meh im Land.

Mel.: Beim Kronewirt, da ist heut Jubel und Tanz
Text: Josef Krausbeck 1948
*„verschmutzt" d. i. „verküfit".


s Bettelmaale

Z Wolfe am Schdadtdor, do guckt us Schdai e Maale ra
S Maale vum Schtadtdor, äs, Wurd aim ebbis z sage ha.
Wolfacher Narro! Guck dir nu s Bettelmaale a!
S Maale am Schdadtdor, des saft aim, was mer mache ka!
S isch emol e Maale gsi,
wott in d Schdadt zuem Bettle ri.
Awer s hots au grnerkt scho gli:
s Bettle isch halt gar nient gsi.
Doch vum Maale sim Verdruß
Un vum Herre-Ärgernus
Isch no wore gueter Schluß
Un uf alle Zitte nus.
Z Wolfe am Schdadtdor hebt s Hemmle uf de Bettelma!
S Maale am Schdadtdor, äs wurd aim ebbis z sage ha.
Wolfacher Narro! Guck dir nu s Bettelmaale a!
S Maale vum Schdadtdor, des sait aim, was mer mache ka:
„Sin nie bäs zuenand, ihr Litt!
Wie selh-nols in alder Zitt!
Len de Jomer un de Schdritt,
Daß äs Freid nu z Wolfe gitt!
Macht mer dir wie mir Verdruß,
Mache d Herre Ärgernus,
daß mer schier verblatze mueß,
Denk halt au wie ich am Schluß!"
Z Wolfe am -Schdadtdor, do guckt us Schdai e Maale ra.
S Maale am Schdadtd-or, äs wtird aim ebbis z sage ha.
Wolfacher Narro! Guck dir nu s Bettelmaale a!
S Maale vum Schdadtdor, des sait aim, was mer mache ka!

Melodie: Alter Wolfacher Schottisch
Text: Josef Krausbeck 1955
Das Lied besingt die Sage, die sich um die romanische Skulptur des „Bettetmaale" (gegen 1200) im Gewölbe des Stadttores vor dessen Umbau rankt. Im umgebauten Tor wurde für dessen Kopie- wieder ein Platz ausgespart. Wenn die Sage stimmt, muß sich die Begebenheit an einem Tor, das vor dem jetzigen schon bestand, zugetragen haben, also vor 1200.


Das Kaffeetantenlied

Sunsch sin mir jo zahm s ganz Johr.
Gell, ihr Männer, seil isch wohr?
Doch im Kopf, wenns Fasnet wurd,
Spürt mer, wie s aim surrt.

Refr.: Hajo, Kaffeedante, kum!
D Fasnet schbuckt in Wolle rum!
Hajo, Kaffeedante, kum! -
s schbuckt im Kopf uns rum!

Un die Zahmheit mueß jetz nus!
Denn sie plogt aim, s isch e Grus!
De Kaffeeschüssel mueß do her,
No fällts uns nit schwer.

Refr.: Hajo, Kaffeedante, kum!

Wenn mer so binander hockt,
Wurd scho ebbs in Kaffee brockt.
Doch mit Pfeffer, Rueß un Salz,
Lauft e Gschwätz wie Schmalz!

Refr.: Hajo, Kaffeedante, kum!

Luschdig gohts bi uns jo zue.
Unser Muiwerk bot kei Rueh,
Bis vum Kaffeedampf es schwitzt,
Daß sich d Zung -uns schbitzt.

Refr.: Hajo, Kaffeedante, kum!

Un so merkt mer mit de Zitt,
Daß -es ebbis z schnurre gitt.
Jeder schdellt halt ebbis aa
Un kunnt bi uns draa!

Refr.: Hajo, Kaffeedante, kum!

Josef Krausbeck 1954
Melodie: D Wätdermaidte hen dicke Köpf