Wohlauf

Der Schellenmendig ist der höchste Wolfacher Feiertag. Schon um 5.30 Uhr treffen sich Hunderte weiß gekleidete Umzugsteilnehmer vor dem Schlosstor. Sie tragen lange weiße Nachthemden und weiße Zipfelkappen oder Nachthauben. Ihren Weg beleuchten sie mit Stalllaternen. Punkt 5.30 Uhr verlöscht in der ganzen Stadt das Licht und am Schlosstor hebt ein unglaublicher Radau an. Aus Hörnern, Pfeifen, Posaunen, von Blechdeckeln, Stahlflaschen und Glocken und allem, was irgendwie Krach macht. Mit dabei ist ein handgezogener Karren, auf dem stalllaternenbeleuchtet ein Bett steht. In ihm ruht der Wohlaufsänger. An jenen Stellen, wo früher der Nachtwächter sein Lied sang, hält der Zug an. Der Wohlaufsänger erhebt sich und aller Lärm und jedes Wort verstummt. Der Wohlaufsänger nutzt die Stille im Lärm und singt „den Wohlauf“:


Wohlauf! Wohlauf!
Ihr Narren hört, vernehmt und wißt:
Der Narrotag erstanden ist.
Der Tag fängt an zu leuchten -
Dem Narro wie dem G’scheiten.
Der Narrotag, der nie versag’.
Wünsch alle Narro E guete Tag!

Noch ehe der letzte Ton verklungen ist, bricht der Lärm erneut los und der Zug geht weiter bis zur nächsten Station.